Radweg Oberspier–Greußen–Straußfurt: Stand 2026
Die Südroute vom Kyffhäuserkreis bleibt 2026 lückenhaft. Was zum Radweg Oberspier–Greußen–Straußfurt geplant ist und wie E-Biker sicher planen
Radweg Richtung Süden: Warum die Tour von Sondershausen nach Greußen 2026 noch ein Abenteuer bleibt
Wer 2026 mit dem E-Bike vom Kyffhäuserkreis Richtung Greußen, Straußfurt oder weiter nach Erfurt fahren will, braucht weiterhin gute Planung. Der geplante Radweg Oberspier–Greußen–Straußfurt soll eine wichtige Lücke schließen, ist aber nach aktuellem Stand noch nicht gebaut. Für Tourenfahrer heißt das: Die Verbindung bleibt vorerst eher etwas für ortskundige, defensive und gut vorbereitete Radler.
Die kurze Antwort: Noch nicht die entspannte Südroute
Die Südverbindung vom Raum Sondershausen in Richtung Greußen und Straußfurt ist 2026 noch kein durchgehend komfortabler Fernradweg. Ab Oberspier fehlen laut der vorliegenden Berichterstattung ausgewiesene Radwege. Wer trotzdem weiter nach Süden fahren möchte, muss derzeit mit Landwirtschaftswegen, unbefestigten Abschnitten, Umwegen und sorgfältiger Routenprüfung rechnen.
Geplant ist ein Rad-/Wirtschaftsweg von Sondershausen, Ortsteil Oberspier, über Greußen bis Straußfurt. Die offizielle Mitteilung des Kyffhäuserkreises nennt dafür eine Gesamtlänge von etwa 16 Kilometern. Der Weg soll teils als reiner Radweg und teils als kombinierter Rad- und Wirtschaftsweg entstehen.
Warum diese Lücke für E-Biker so wichtig ist
Auf der Karte wirkt die Strecke nach Süden zunächst logisch: Sondershausen, Oberspier, Greußen, Gangloffsömmern, Straußfurt. In der Praxis ist genau dieser Korridor aber schwierig, weil die B4 eine wichtige Verkehrsachse ist und für entspannte Radtouren nicht der Maßstab sein darf.
Für E-Biker ist die Verbindung trotzdem attraktiv. Sie könnte den Kyffhäuserkreis besser mit dem südlichen Thüringer Becken verbinden, Touren Richtung Straußfurt und Erfurt planbarer machen und zugleich regionale Radrouten stärker miteinander verknüpfen. Der Kyffhäuserkreis beschreibt den geplanten Abschnitt als Nord-Süd-Verbindung zwischen Unstrut-Radweg und Unstrut-Werra-Radweg.
Gerade im Vergleich mit neuen Lückenschlüssen zeigt sich, wie stark solche Abschnitte wirken können. Der neue Kyffhäuserland-Radweg zwischen Barbarossahöhle und Bendeleben zeigt bereits, wie ein einzelnes fehlendes Stück mehrere Radachsen besser nutzbar machen kann.
Was aktuell geplant ist
Nach der offiziellen Mitteilung vom 17. Mai 2024 wurde eine Vereinbarung zum Bau eines bundesstraßenbegleitenden Rad-/Wirtschaftsweges entlang der B4 unterzeichnet. Beteiligt sind unter anderem der Kyffhäuserkreis, das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, Sondershausen/Oberspier, Greußen, Wasserthaleben, Westgreußen, Clingen, Gangloffsömmern und Straußfurt.
Wichtig für die Einordnung: Der Begriff „bundesstraßenbegleitend“ bedeutet hier nicht automatisch, dass Radfahrer später direkt neben dem Autoverkehr der B4 fahren. Die aktuelle Berichterstattung beschreibt vielmehr eine Führung, die sich am Korridor der Bundesstraße orientiert, aber abseits des starken Autoverkehrs durch die Landschaft verlaufen soll.
Der Kyffhäuserkreis übernimmt nach der Vereinbarung Planung und Bau und wird damit Auftraggeber des Projekts. Der Bund trägt nach Angaben des Landkreises grundsätzlich die Kosten für den Bau des außerörtlichen Rad-/Wirtschaftsweges. Dazu gehören auch Grunderwerb, Entschädigungen, Beurkundungen, Vermessungen und eine Zweckkostenpauschale für die Baubegleitung.
Wann kommt der Radweg Oberspier–Greußen–Straußfurt?
Nach dem aktuell bereitgestellten Zeitungsbericht ist der Bau voraussichtlich für 2028 vorgesehen. Gleichzeitig ist der Planungsstand nicht für die gesamte Strecke gleich weit.
Für den Abschnitt von Oberspier bis über die südliche Kreisgrenze hinaus nach Gangloffsömmern wird die Vorplanung als abgeschlossen beschrieben. Die benötigten Grundstücke sollen verfügbar sein. Zurzeit laufe dort die Planfeststellung. Das ist ein formelles Verfahren, in dem ein größeres Infrastrukturprojekt rechtlich geprüft, abgewogen und genehmigt wird.
Für den Abschnitt von Gangloffsömmern nach Straußfurt im Landkreis Sömmerda wird derzeit eine artenschutzrechtliche Fachplanung genannt. Das bedeutet: Vor dem Bau muss geprüft werden, welche geschützten Arten betroffen sein könnten und welche Schutzmaßnahmen nötig sind.
Für Tourenfahrer ist deshalb wichtig: 2028 ist eine Erwartung, keine Garantie. Planfeststellung, Artenschutz, Ausschreibung, Bauablauf und mögliche Einwendungen können Termine verändern.
Was bedeutet das für eine Tour im Sommer 2026?
Eine Radtour Richtung Süden ist möglich, aber nicht vergleichbar mit einem ausgeschilderten, durchgehenden Radfernweg. Wer sich nicht gut auskennt, sollte nicht einfach auf die direkte Linie Richtung Greußen setzen. Die kürzeste Verbindung ist nicht automatisch die angenehmste und schon gar nicht die sicherste.
Für die Planung sind drei Punkte entscheidend:
- Route vorab prüfen: Nutze den Radroutenplaner Thüringen, aktuelle Karten und nach Möglichkeit lokale Hinweise. Der Radroutenplaner Thüringen nennt als Stand der Radnetzdaten den 15. Juni 2026.
- B4 meiden: Längere Abschnitte auf stark befahrenen Straßen sind für Genussradler, Familien und viele E-Bike-Touren keine gute Idee.
- Untergrund realistisch einschätzen: Feldwege können im Sommer staubig und nach Regen schlammig sein. Wanderpfade können für Trekking-E-Bikes mit Gepäck ungeeignet werden.
Wer digitale Planung nutzt, sollte nicht nur die angezeigte Distanz betrachten. Höhenmeter, Wegoberfläche, Abbiegepunkte und mögliche Ausweichstellen sind ebenso wichtig. Für die Grundlagen digitaler Tourenplanung passt der Beitrag Komoot kostenlos nutzen: Grundlagen, Funktionen & Grenzen als Ergänzung.
Wenn du 2026 trotzdem fahren willst
Die Strecke ist eher etwas für erfahrene Radfahrer, die improvisierte Abschnitte nicht unterschätzen. Ein E-Bike macht Schotter, Gegenwind oder leichte Steigungen zwar angenehmer, löst aber nicht das Sicherheitsproblem einer fehlenden Infrastruktur.
Plane außerdem mehr Zeit ein, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Auf unbefestigten Wegen sinkt das Tempo schnell. Dazu kommen Stopps zum Orientieren, mögliche Sackgassen, verschlammte Abschnitte oder Wege, die für ein schweres E-Bike mit Gepäck unangenehm werden.
Für die Akkuplanung gilt: Keine pauschale Reichweite annehmen. Gegenwind im offenen Thüringer Becken, grober Untergrund, häufiges Anfahren und höhere Unterstützungsstufen können den Verbrauch deutlich erhöhen. Wer unsicher ist, sollte mit Reserve fahren und den Beitrag E-Bike-Akku 500, 650, 750 oder 800 Wh? zur Einordnung der Kapazität nutzen.
Warum der geplante Weg mehr ist als Tourismus
Der neue Rad-/Wirtschaftsweg wäre nicht nur für Wochenendtouren interessant. Er könnte auch Alltagswege verbessern: Fahrten zwischen Ortsteilen, Wege zu Bahnhöfen, Pendelstrecken und kurze regionale Erledigungen. Genau darin liegt der eigentliche Wert einer solchen Verbindung.
Radwege funktionieren selten als Einzelstück. Ihr Nutzen steigt, wenn sie Netze schließen. Der geplante Korridor Oberspier–Greußen–Straußfurt könnte im Süden des Kyffhäuserkreises eine Rolle spielen, die der neue Kyffhäuserland-Radweg bereits an anderer Stelle zeigt: eine fehlende Verbindung schließen, damit vorhandene Routen besser zusammenspielen.
Das passt auch zur größeren Debatte über Radinfrastruktur in Nordthüringen. Im Beitrag 30 Millionen für Thüringens Radwege: Was Nordthüringen braucht geht es genau um diese Frage: Welche Lücken bringen den größten Nutzen, wenn sie geschlossen werden?
Was noch offen bleibt
Offen ist vor allem, wie schnell das Projekt tatsächlich in die Bauphase kommt. Die offizielle Vereinbarung von 2024 ist ein wichtiger Schritt, aber kein fertiger Radweg. Der aktuelle Planungsstand zeigt: Einige Voraussetzungen sind offenbar weit vorangeschritten, andere Prüfungen laufen noch.
Ebenfalls offen bleibt, wie sich die spätere Strecke im Detail fährt. Kombinierte Rad- und Wirtschaftswege können sehr gut funktionieren, wenn Oberfläche, Breite, Sichtbeziehungen und Unterhaltung stimmen. Sie können aber auch Konflikte bringen, wenn landwirtschaftlicher Verkehr, Verschmutzung oder schlechte Pflege den Alltag erschweren. Entscheidend wird also nicht nur der Bau, sondern auch die spätere Unterhaltung.
Nach Fertigstellung sollen laut Kyffhäuserkreis die anliegenden Kommunen für Unterhaltung, Erneuerung und Betrieb zuständig sein. Die dafür anfallenden Mehrkosten werden nach der Vereinbarung durch den Bund mit einem einmaligen Betrag abgelöst.
Fazit: 2026 vorsichtig planen, 2028 im Blick behalten
Der Radweg Oberspier–Greußen–Straußfurt ist für den südlichen Kyffhäuserkreis ein wichtiges Projekt. Er kann eine echte Lücke schließen, die heute Touren Richtung Süden unnötig kompliziert macht. Besonders für E-Biker wäre eine sichere, planbare Nord-Süd-Verbindung ein Gewinn: weniger Improvisation, bessere Anschlüsse und mehr Vertrauen in längere Touren.
Für den Sommer 2026 bleibt die Empfehlung aber klar: Nicht auf gut Glück fahren. Prüfe die Route vorher, meide stark belastete Straßen, plane Akku- und Zeitreserve ein und brich ab, wenn Untergrund, Wetter oder Verkehr nicht passen. Der geplante Weg kann viel verbessern. Bis er gebaut ist, bleibt die Südroute vom Kyffhäuserkreis noch ein kleines Abenteuer.